Montag, 7. Oktober 2024 Fahrt nach Alaverdi (Georgien)

Gestern Abend habe ich noch eine Zeit lang auf der Terrasse gesessen und den wundervollen Blick auf die Berge genossen. Leider ist heute Montag und nachdem ich gestern mindestens dreimal an dem Schloss vorbeigegangen bin, ist es heute natürlich nicht geöffnet. Schade, es scheint sehr groß zu sein und ist innen bestimmt toll . Shit Happens. So beschließe ich, nach Alaverdi zu fahren. Ich war ja schon mal in Armenien in diesem Ort, aber hier gibt es einen gleichnamigen. Und er hat ein Kloster. 






Der Busbahnhof ist verhältnismäßig ruhig und schon nach 4 Minuten winkt der Fahrer mir zu, dass ich einsteigen soll.









Leider habe ich mir eine fette Erkältung zugezogen, so richtig mit Husten, Niesen und Bronchien. Nicht schön. Vielleicht nachher mal in der Apotheke nach irgendwas gegen den Husten fragen.

Die Fahrt dauert circa 40 Minuten mit der Matruschka und kosten drei Lari, also einen Euro. Natürlich hält der Fahrer nicht in Alaverdi direkt, sondern vor dem Kloster, weil er natürlich weiß, wo ich hin will. 😊



Alaverdi ist ein friedlicher Ort, umgeben von den herrlichen Bergen.

Das Kloster wird leider im Moment saniert, so dass alles mit Planen abgedeckt ist und man auch nur wenige Teile betreten darf. Schade, aber jetzt muss ich das Beste daraus machen. Auf den kleinen Mäuerchen und auf die steinernen Weg tummeln sich winzige Eidechsen. 






Im Garten des Klosters stehen Olivenbäume, hier schon seit dem 16. Jahrhundert gepflanzt werden und aus dieser Zeit stammt auch  eine Ölpresse, die hier gefunden wurde.

Und wo ein Kloster ist, ist natürlich auch Alkohol. Die ganze Gegend hier ist ja vom Weinanbau geprägt und es gibt hier insgesamt 530 Sorten von Weintrauben. Davon sind 104 hier in dieser in diesem Kloster verarbeitet worden. 








Die Klosterkirche ist riesig groß und vor allem auch sehr hoch. Es sind mächtige Pfeiler, die das Deckelgewölbe stützen und es gibt nur wenige kleine Fenster. An den Säulen werden Bilder von Mönchen präsentiert und mitten in der Kirche steht eine Art Thron? Einen Altar kann ich nicht sehen.










Später wird mir dann klar, dass am Kopf der Kirche hinter einer Wand, in deren Mitte ein Tor ist, der Altar ist. Wahrscheinlich wird dieses Tor zur Zeit der Andacht geöffnet.






Auch innen ist die Kirche schon sehr verfallen und die Malereien sind kaum noch sichtbar. An manchen Stellen liegen Teppiche. 

Wie schon die Kirche in Jvari beeindruckt mich auch dieses Haus durch seine gewaltige Größe. Leider ist hier fotografieren verboten und leider ist hier auch ein Mann, der hier irgendwas arbeitet und der mich sehr argwöhnisch ansieht. 


Er kommt dann auch auf mich zu und spricht mich flüsternd an. Zuerst verstehe ich ihn nicht und denke, dass er das Handy in meiner Hand nicht mag. Ich habe dann aber gezeigt, dass ich nur Notizen mache und nicht fotografiere. Aber das war es nicht, was ihn störte. Es war das Kaugummi, dass ich im Mund hatte. Essen sei hier nicht erlaubt! Diesen Gefallen habe ich ihm natürlich gerne getan.








Ich habe schon viele Kirchen und Tempel gesehen, aber hier, das ist schon unglaublich beeindruckend. Es ist (ich wiederhole mich) diese unglaubliche Größe, die man im Bild oder im Video nicht einfangen kann. Wenn die Kirche mit ihren Häusern die Gläubigen beeindrucken will, so gelingt das hier wahrscheinlich besser, als die goldüberladenen Kirchen zum Beispiel in Rom. 


Und hier ist es auch das Alter dieser Gemäuer. Vielleicht wird das noch stärker betont durch den deutlich sichtbaren Verfall, aber wie auch immer, es wirkt.

Die Kirche wurde zu Beginn des elften Jahrhunderts gebaut und sie ist circa 50 m hoch. Die minimale Dekoration innen und auch die kleinen Fenster sind so gewollt. Es sind 25 schlitzartige Fenster, durch die nur wenig Licht in die Kirche fällt.


Der Mann, der hier eine Art Schrank repariert, ist so nett, dass ich auf weitere Fotos oder Videos verzichte. Aber ich habe es ja schließlich gesehen. 


Am Eingang der Anlage sitzt eine uralte Frau. Sie ist sehr einfach gekleidet, um nicht zerlumpt zu sagen. Sie wird irgendwas zwischen 85 und 90 Jahre alt sein. 




Sie hat sich dort eine Zucchini geschält und isst diese. Ich würde unheimlich gerne ein Foto von ihr machen, deshalb versuche ich es wieder mal mit Google Translate. Ich formuliere die Frage und zeige ihr das geschriebene. Sie schaut darauf, aber sie zeigt keine Reaktion. Ich fürchte, sie kann nicht lesen. Schade ich finde, gerade alte Menschen und vor allem auch alte Frauen haben unheimlich interessante und starke Gesichtszüge, die das gelebte Leben widerspiegeln, deshalb liebe ich solche Bilder. Na gut, dann dieses Mal nicht! 

Die Kirche konnte sich ja nicht wehren. 😉


Aber warum aufgeben? Nach einer Weile dachte ich: Komm, versuchs noch einmal! 


Und so ging ich wieder zu ihr. Habe dann der Einfachheit halber Deutsch mit ihr gesprochen, in die Kamera gezeigt, auf sie gezeigt und dann so eine Bewegung gemacht, als ob ich knipsen würde.

Dann hab ich ihr ein paar Münzen gezeigt und gefragt, okay? Und da hat sie genickt. 




Als ich ihr die Münzen in die Hand gab, habe ich gemerkt, dass die eiskalt war. Seltsam, und dann habe ich schnell und unaufwändig zwei Fotos gemacht, mich artig bedankt und bin gegangen.  


Es ist wieder sehr heiß heute und hier ist überhaupt kein Schatten. Ich ging dann auf die andere Straßenseite, und kaum war ich drüben, kam eine Matruschka mit „Telavi“ vorne drauf. Sie hatte stark getönte Scheiben, so dass ich nicht hineinschauen konnte, aber wenn es auf der Hinfahrt schon so leer war, was kann schon passieren? 






Ich tat einen Schritt in das Auto hinein und dann ging es nicht mehr weiter. Alle Sitz- und Stehplätze waren belegt und die ersten 3-4 Minuten habe ich vorne mit eingezogen im Kopf gestanden, weil die Höhe für mich nicht ausreicht. Aber ein paar Minuten später stiegen vier Leute aus und ich war egoistisch und schnell genug, mir einen Platz zu ergattern.


Nach einer kurzen Pause in meiner Unterkunft bin ich dann doch noch zu dem Schloss gegangen, um es mir wenigstens von außen anzusehen. Aber da sah ich, dass das Tor nicht richtig abgeschlossen war und das ist auch ein paar Zentimeter auf stand. 


Der Versuch zeigte, dass man es auch noch weiter aufmachen konnte und Sekunden später war ich drin. Allerdings war es etwas enttäuschend, weil es nur ein riesiger Innenhof war, mit sehr schönen Mauern drumherum und einem Museum in der Mitte, das natürlich geschlossen war.






Aber egal, so ging ich halt herum und sah mir wenigstens mal die Mauern von hinten an. Offensichtlich war hinter einer weiteren Mauer das Gebäude des Schlosses zu sehen. Und oh Wunder, da war noch ein Tor. 






Und auch das stand offen. Also schlenderte ich da auch gemütlich durch und konnte die königlichen Gebäude sehen. Es war nicht spektakulär, aber immerhin! Ich ging dann um das Schloss herum und fand auch noch eine offene Tür. Aber hier endete meine Unverschämtheit, da wollte ich dann doch nicht reingehen. Und in dem Augenblick kamen dann auch zwei Wachmänner die mir erst etwas auf georgisch sagten und dann „Museum ist closed“. 

Ich meinte dann, ob einfach so rumlaufen okay wäre, was sie aber verneint. 












Also bedankte ich mich artig und verließ zusammen mit den beiden das Schloss. Der eine meinte noch, dass sie morgen um 10:00 Uhr öffnen werden, aber dann bin ich schon weg.


Telavi ist eine kleine Stadt, und hier ist bis auf das Schloss auch so ziemlich der Hund verfroren. Aber es ist, wie der Einäugige, der unter dem Blinden der König ist: die anderen Orte, hier in der Umgegend sind noch viel kleiner, das macht Telavi zu einem attraktiven Ziel für die Menschen hier und erklärt auch den ziemlich starken Autoverkehr.

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